Viele Unternehmer:innen denken bei Sichtbarkeit noch an Google. Aber die Kund:innen suchen längst anders.
Letzte Woche traf ich zufällig eine alte Bekannte.
Wir kamen ins Gespräch über ihr Business, ihre Website und darüber, wie sie heute neue Kundinnen und Kunden gewinnt. Irgendwann sagte sie:
«Ich habe schon das Gefühl, dass sich etwas verändert. Aber ich kann nicht genau sagen, was.»
Ich erzählte ihr, dass viele Menschen ihre Fragen nicht mehr automatisch bei Google eingeben. Dass sie ChatGPT, Gemini, Claude, Perplexity oder andere KI-Systeme fragen. Nicht nur für Texte oder Ideen. Sondern auch, wenn sie ein Problem besser verstehen, Angebote vergleichen oder eine erste Empfehlung bekommen möchten.
Sie dachte einen Moment nach.
Dann sagte sie:
«So habe ich mir das noch nie überlegt. Wenn meine potenziellen Kundinnen und Kunden zuerst KI fragen – was bedeutet das dann für meine Sichtbarkeit? Wie kann man mich dann überhaupt noch finden?»
Genau diese Frage beschäftigt im Moment viele Menschen mit einem eigenen Business.
Von vielen meiner Kund:innen weiss ich, dass sie KI längst als Werkzeug in ihrem Alltag nutzen. Sie lassen Texte übersetzen, E-Mails formulieren, Zusammenfassungen erstellen oder Ideen für LinkedIn und Newsletter entwickeln. Das ist praktisch und spart Zeit.
Aber das ist nur ein Teil der Veränderung.
Die grössere Verschiebung liegt darin, dass auch ihre Kundinnen und Kunden KI nutzen.
Sie geben ihre Fragen nicht mehr nur bei Google ein. Sie fragen KI. Sie lassen sich Begriffe erklären, Angebote vergleichen, Entscheidungskriterien nennen oder erste Empfehlungen geben.
Dieses Gespräch ist mir geblieben, weil es einen Punkt sichtbar macht, den viele zwar spüren, aber noch nicht klar benennen können: Die Art, wie Menschen nach Lösungen suchen, verändert sich gerade grundlegend.
Damit verändert sich die Kundenreise, wie wir sie lange kannten, grundlegend.
Die Suche beginnt nicht mehr selbstverständlich bei Google
Die letzten 10 Jahre liess sich eine typische Kundenreise so beschreiben: Wer ein Problem hatte, suchte bei Google nach Inputs und Antworten. Dafür klickte man sich durch die Suchresultate, verglich Websites und Anbieter:innen. Suchte vielleicht nach Bewertungen. Und kontaktierte den einen oder anderen Anbieter.
Immer häufiger steht heute die KI am Anfang bei der Suche nach einer Lösung. Der Anfang kann immer noch generisch sein:
- «Woran erkenne ich einen guten Coach?»
- «Was ist der Unterschied zwischen Beratung und Coaching?»
- «Welche Fragen sollte ich einer Therapeutin vor dem Erstgespräch stellen?»
- «Welche Art von Unterstützung passt zu meiner Situation?»
- «Mach mir eine Liste mit 10 Physiotherapeuten in Zürich.»
Die Antwort der KI ist keine Linkliste mehr, sondern eine direkte Hilfestellung: eine Einordnung, Vergleiche, manchmal sogar konkrete Empfehlungen. Manchmal mit Quellen, manchmal ohne. Manchmal mit Verweis auf konkrete Anbieter:innen, manchmal nur mit Kriterien, wie Angebote verglichen werden sollen. Alles ohne, dass sich die Suchenden auch nur eine einzige Website angeschaut haben.
Das ist eine grundlegende Veränderung. Und es ist verständlich, dass Menschen diese Art der Suche attraktiver finden als googeln.
Googeln fühlt sich oft an wie ein Stapel von zehn Broschüren mit dem Hinweis: «Lies dich mal durch, irgendwo wird schon etwas Passendes dabei sein.» KI hingegen liefert direkt eine erste Einordnung.
Diese Verschiebung geschieht nicht nur ausserhalb von Google. Auch Google selbst baut die Suche gerade um. An der Entwicklerkonferenz I/O 2026 hat Google neue KI- und Agentenfunktionen für Search vorgestellt und spricht von einer neuen Ära der KI-Suche.
Wenn Kundinnen und Kunden ihre erste Orientierung bereits in einem KI-System erhalten, dann verändert sich dadurch die Kundengewinnung grundlegend. Viele Anbieter:innen beobachten bereits, dass ihr Website-Traffic deutlich zurückgegangen ist.
«Zero Click» beschreibt dieses Phänomen: Menschen erhalten bereits in der Suche oder in einem KI-System eine Antwort, ohne zwingend auf eine Website zu klicken. Für Anbieter bedeutet das: Ein Teil der Meinungsbildung passiert, bevor jemand überhaupt auf der eigenen Seite war.
Die klassische Suchergebnisliste mit Links wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Aber sie ist nicht mehr der heilige Gral. Suche entwickelt sich stärker in Richtung Antwort, Einordnung, Empfehlung – und teilweise sogar Handlung.
Die Frage ist entsprechend nicht, ob Menschen künftig Google oder KI nutzen. Die eigentliche Veränderung ist, dass sich das Suchen nach Lösungen und Anbieter:innen insgesamt zur KI hin verschiebt. Wer sichtbar bleiben will, sollte nicht mehr primär an Rankings und SEO denken. Sondern daran, wie das eigene Angebot einen Platz findet in diesen neuen Antwort- und Entscheidungsprozessen.
Sichtbarkeit wird breiter als SEO
Das bedeutet nicht, dass SEO für eine Website per sofort unwichtig ist. Aber SEO allein reicht als Denkrahmen nicht mehr aus.
Bisher haben die meisten Selbstständigen Sichtbarkeit mit Google-Rankings und Website-Traffic gleichgesetzt. Die zentrale Frage lautete: Wie komme ich mit meiner Website möglichst weit nach oben, um möglichst viel Traffic zu generieren?
Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur: Wie komme ich auf Google nach oben? Sondern: Wird mein Angebot überhaupt richtig verstanden – von Menschen, Suchmaschinen und KI-Systemen?
- Welche Themen und Fragen sind mit meiner Expertise verbunden?
- Welche Hinweise auf meine Expertise gibt es ausserhalb meiner Website?
Gerade für Berater:innen, Coaches, Therapeut:innen und Dienstleistungsunternehmen ist das besonders relevant. Ihre Leistungen sind meist komplex und erklärungsbedürftig. Die Menschen müssen sich verstanden und gesehen fühlen.
Wenn es um Conversions (also um die Kundengewinnung) geht, wird oft von einem «Numbers Game» gesprochen. Gemeint ist die Formel:
Conversions = Traffic × Conversionrate
Wenn weniger Menschen auf deiner Website landen, wird jeder einzelne Besuch wichtiger. Dann reicht es nicht mehr, irgendwie präsent zu sein. Die Menschen, die kommen, müssen sehr schnell verstehen: Bin ich hier richtig? Versteht diese Person mein Problem? Kann ich ihr vertrauen?
Unübersetzte Expertise wird zum Sichtbarkeitsproblem
Vor Kurzem habe ich hier einen Beitrag veröffentlicht über ein Phänomen, das meist ausgerechnet jene Anbieter:innen betrifft, die besonders gute Ergebnisse für ihre Kund:innen liefern: unübersetzte Expertise.
Im KI-Zeitalter wird dieses Phänomen noch dringender. Ich erkläre kurz, warum.
Expert:innen haben in der Regel kein Wissensproblem. Im Gegenteil. Sie haben langjährige Erfahrung und Fachkompetenz. Sie erkennen Muster und verstehen ihre Kundinnen und Kunden meist sehr genau.
Aber auf der eigenen Website wird oft nicht klar, worin der Wert dieser Arbeit eigentlich liegt. Nicht aus Mangel an Wissen, sondern weil Nähe blind macht und weil Fachwissen meist die Komplexität erhöht. Viele Expert:innen zensieren sich beim Schreiben permanent: Sie schwanken in ihren Formulierungen zwischen zu kompliziert und zu wenig spezifisch.
Wie oft liest man auf Websites von Berater:innen und Coaches solche Sätze:
- «Ich begleite Menschen in Veränderungsprozessen.»
- «Ich unterstütze dich dabei, dein Potenzial zu entfalten.»
- «Ich helfe dir, wieder in deine Kraft zu kommen.»
- «Ich begleite Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Klarheit.»
Das ist nicht falsch. Aber es bleibt zu allgemein. Für Menschen ist es schwer zu erkennen, ob sie hier wirklich richtig sind. Für Suchmaschinen ist es schwer, das Angebot einzuordnen. Und für KI-Systeme fehlen konkrete Anhaltspunkte, um Expertise, Relevanz und Passung zu erkennen.
Das Problem der unübersetzten Expertise wird im KI-Zeitalter noch dringlicher. Denn KI kann nur mit Informationen arbeiten, die vorhanden, zugänglich und einordenbar sind.
Sichtbarkeit bedeutet im KI-Zeitalter nicht, mehr Inhalte zu veröffentlichen. Und schon gar nicht Inhalte, die in fünf Minuten von der KI erstellt worden sind und keinen Mehrwert bieten. Ich meine Sichtbarkeit, die wirkt. Ich nenne sie unternehmerische Sichtbarkeit.
Das bedeutet: vorhandene Expertise so zu übersetzen, dass sie verständlich wird – für potenzielle Kund:innen, für Suchmaschinen und zunehmend auch für KI-Systeme.
Die Website verschwindet nicht, aber ihre Rolle verändert sich
Im besten Fall wirst du in KI-Antworten als Lösungspartner:in genannt. Dann kommen Menschen mit grosser Wahrscheinlichkeit früher oder später auf deine Website. Aber mit anderen Erwartungen als früher. Denn sie sind vorinformiert.
Sie wollen nicht mehr entdecken.
Sie wollen prüfen.
Sie kommen nicht mehr mit der offenen Frage «Was gibt es überhaupt?». Sie kommen mit einer Vorahnung. Mit einer ersten Einordnung. Vielleicht mit einem Vergleich. Vielleicht sogar mit einer Empfehlung.
Sie suchen Antworten auf andere Fragen:
- «Versteht diese Person mein Anliegen wirklich?»
- «Wirkt das Angebot passend zu meiner Situation?»
- «Kann ich einordnen, wie die Zusammenarbeit ablaufen würde?»
- «Finde ich genügend Klarheit, um den nächsten Schritt zu machen?»
- «Spüre ich Vertrauen?»
Das verändert die Aufgabe deiner Website.
Früher musste eine Website vor allem Aufmerksamkeit erzeugen, informieren und auffindbar sein. Heute muss sie stärker bestätigen, vertiefen und vor allem Vertrauen schaffen. Sie ist nicht länger die erste Informationsstation, sondern wird zum Ort der Überprüfung.
Sie verschwindet nicht aus der Kundenreise. Aber sie wird zum Vertrauensanker in der Entscheidungsreise, die oft schon vor dem ersten Besuch begonnen hat.
Welche Rolle Websites im KI-Zeitalter konkret spielen – und warum sie künftig nicht mehr in erster Linie Traffic erzeugen müssen, sondern Klarheit, Orientierung und Vertrauen – werde ich in einem nächsten Beitrag erklären. Heute beginnen wir mit einem einfachen, aber wirksamen Werkzeug: dem 5-Sekunden-Check.
Der 5-Sekunden-Check: nicht neu, aber immer noch sehr wertvoll
Öffne deine Startseite oder eine deiner wichtigen Angebotsseiten. Schau sie dir fünf Sekunden lang an. Oder noch besser: Bitte jemanden, der dein Angebot nicht gut kennt, genau das zu tun.
Dann stelle drei Fragen:
- Ist sofort klar, für wen dieses Angebot gedacht ist?
- Ist sofort klar, worum es konkret geht?
- Ist sofort erkennbar, warum man weiterlesen oder Vertrauen fassen sollte?
Wenn diese drei Fragen nicht klar beantwortet werden, könnte ein Verständlichkeitsproblem vorliegen. Denn was Menschen nicht verstehen, können auch Maschinen nicht einordnen.
Der 5-Sekunden-Check ersetzt keine Strategie. Aber er zeigt oft sehr schnell, wo die erste Unschärfe liegt:
- Vielleicht ist nicht klar, für wen du arbeitest.
- Vielleicht klingt dein Angebot zu allgemein.
- Vielleicht sieht man deine Expertise nicht.
- Vielleicht fehlt der konkrete Anlass, warum jemand dich kontaktieren sollte.
- Vielleicht ist viel Text da, aber keine klare Entscheidungshilfe.
Das waren auch in der Vergangenheit keine Kleinigkeiten. Doch künftig kann daraus ein echtes und gravierendes Problem werden.
Nicht alle brauchen dasselbe auf einer Website
Unternehmerische Sichtbarkeit bedeutet nicht einfach, dass Menschen dich sehen. Sie bedeutet, dass die richtigen Menschen verstehen, warum dein Angebot für sie relevant ist.
Genau hier setzt mein WeMo-Framework® an. Es macht sichtbar, welche Werte, Motive und Entscheidungsfaktoren für eine Zielgruppe wirklich wichtig sind – und übersetzt sie in Sprache, Design und Nutzerführung.
Im KI-Zeitalter wird diese Vorarbeit noch wichtiger. Wenn Angebote immer schneller verglichen, zusammengefasst und eingeordnet werden, muss klar sein: Wofür stehst du? Welche Menschen sollen sich angesprochen fühlen? Welche Fragen müssen beantwortet werden, bevor Vertrauen entsteht? Welche Signale braucht deine Zielgruppe, um dich als passende Wahl wahrzunehmen?
Das ist der Punkt, an dem Website, SEO, Content und Sichtbarkeit zusammenkommen. Nicht als einzelne Massnahmen, sondern als strategisches Ganzes.
Was du jetzt konkret tun kannst
Wenn du dich fragst, wo du anfangen sollst, dann ist es wichtig, nicht in Tools zu denken. Also nicht zu fragen: «Wie optimiere ich meine Website für ChatGPT?», sondern einen strategischen Ansatz zu wählen. Zuerst analysieren, dann das eigene Angebot verständlich runterbrechen und sich dann mit den Wunschkund:innen auseinandersetzen.
1. Prüfe deine digitale Verständlichkeit
Schau dir deine Website, deine Angebotsseiten und deine Profile aus einer kritischen Distanz an – oder hol jemanden an Bord für eine ungetrübte Aussenperspektive: Wird klar, wofür du stehst? Wird klar, wem du hilfst? Wird klar, welches Problem du ansprichst? Wird klar, was der nächste Schritt ist?
Wenn nicht, ist das der erste Hebel. Denn ohne Verständlichkeit gibt es keine unternehmerische Sichtbarkeit – weder bei Menschen noch bei Suchmaschinen oder KI-Systemen.
2. Übersetze deine Expertise
Sammle die Fragen, die Kundinnen und Kunden dir vor einer Zusammenarbeit immer wieder stellen. Was musst du oft erklären? Welche Missverständnisse begegnen dir? Welche Begriffe verwendest du, die für dich selbstverständlich sind, für andere aber nicht?
Aus diesen Fragen entstehen oft die wertvollsten Inhalte: FAQ, Angebotsabschnitte, Blogbeiträge, LinkedIn-Impulse, Erklärtexte. Nicht, weil du Content um des Contents willen brauchst, sondern weil genau diese Inhalte zeigen, wie du denkst, wie du arbeitest und warum deine Expertise relevant ist.
3. Denke Sichtbarkeit nicht als Standardlösung
Frage dich nicht «Was machen andere?». Frage lieber: «Was braucht meine Zielgruppe, um Vertrauen zu fassen und eine Entscheidung treffen zu können?»
Manche Zielgruppen brauchen Sicherheit. Andere Orientierung. Andere fachliche Tiefe. Andere emotionale Resonanz. Andere klare Prozesse. Wenn du das verstehst, kannst du deine Website, deine Inhalte und deine digitale Präsenz viel gezielter ausrichten.
Das ist aus meiner Sicht die eigentliche Aufgabe im KI-Zeitalter: nicht einfach mehr Sichtbarkeit zu erzeugen. Sondern die richtige Art von Sichtbarkeit.
Fazit: Sichtbarkeit neu denken
KI verändert nicht nur, welche Tools wir verwenden. KI verändert, wie Menschen sich informieren, vergleichen und Entscheidungen vorbereiten.
Für Berater, Coaches, Therapeut und Expert bedeutet das: Sichtbarkeit beginnt nicht mehr erst dort, wo jemand auf deine Website klickt. Sie beginnt früher – in Fragen, Antworten, Einordnungen und Empfehlungen, die oft schon entstehen, bevor jemand deine Seite besucht.
Deshalb reicht es nicht mehr, Sichtbarkeit nur als Ranking, Traffic oder Reichweite zu verstehen. Die entscheidende Frage lautet:
Wird dein Angebot in einer KI-geprägten Kundenreise überhaupt richtig verstanden?
Wenn potenzielle Kundinnen und Kunden zuerst KI fragen, brauchst du mehr als schöne Worte und ein paar Keywords. Du brauchst ein digitales Bild, das klar genug ist, um eingeordnet zu werden. Du brauchst Inhalte, die deine Expertise verständlich machen. Und du brauchst eine Website, die nicht nur informiert, sondern Vertrauen schafft.
Sichtbarkeit im KI-Zeitalter bedeutet deshalb nicht, lauter zu werden.
Es bedeutet, klarer zu werden.
